3. Blog: Donnerstag ist Sonntag auf See

24. September 2010

Donnerstag ist Sonntag auf See

Menez Gwen (37° N / 31° W), 23. September 2011 – In diesem Blog wollte ich eigentlich beschreiben, wie ein typischer 24 Stunden Tag bei uns am Bord verläuft. Dieses Thema kommt in dem noch in Arbeit befindlichen 4. Videoblog von Dennis Fink, daher hier eine kleine Zwischenmeldung.

Auf See spielt das Essen eine stellenweise unfassbar wichtige Rolle. Ein guter Koch kann die Stimmung an Bord erstrahlen lassen, ein schlechter Koch sie beinah killen. Wir haben glücklicherweise Koch ‚Schnulli‘ an Bord. Sein Essen und sein Wesen sind gleichermaßen prall (in eins der folgenden Videoblogs gibt es dann Schnulli live). Selbst bei 30°C Außentemperaturen serviert Schnulli Sauerbraten mit Knödel und Rotkohl, und es schmeckt trotzdem lecker. Heute ist Donnerstag, der auf See der Seemannssonntag ist. Donnerstags gibt es immer ein besonders gutes Essen, vergleichbar dem deutschen Sonntagsessen. Auf französischen Forschungsschiffen ist der Donnerstag der „Jour avec“ an dem es sogar einen Aperitif vor dem Mittag- oder Abendessen gibt. Bei uns gab es zum Mittagessen zwar keinen Aperitif, aber das Menu ist trotzdem gehaltvoll: Spargelcremesuppe, Schweineschnitzel mit Champignonsauce überbacken, Broccoli-Blumenkohl mit Sauce Hollandaise, Safranreis und Steak-Haus-Pommes, und zum Nachtisch Eiscreme mit Erdbeeren und Sahne. Nach nur drei Stunden Pause ging es mit Kaffee und Kuchen weiter, auf dem bereits nach wenigen Stunden das Abendessen folgte. Wer es hier nicht schafft zu zunehmen hat entweder einen eisernen Disziplin oder keine Freude am Essen.

Neben dem Essen bleibt die Forschung weiterhin unsere andere Hauptbeschäftigung. Wir haben auf dieser Ausfahrt eine Reihe von Forschungsfragen, die wir beantworten möchten. Eine davon ist: Warum sind die Methankonzentrationen der Hydrothermalquellenflüssigkeiten (auch Ventfluide genannt) am Menez Gwen Vulkan so ungewöhnlich hoch im Vergleich zu anderen Hydrothermalquellenfelder am Mittelatlantischen Rücken? Methan trägt als starkes Treibhausgas zur Erderwärmung bei, daher möchten wir seine Entstehungswege im Meer besser verstehen. Die Beprobung von Methan in der Tiefsee ist allerdings nicht trivial. Die Behälter, mit denen die Proben genommen werden, müssen gasdicht sein, da sonst das Methan auf dem Weg von der Tiefsee an die Wasseroberfläche auf Grund des abnehmenden Druckes ausgasen würde. Außerdem müssen wir besonders heiße Ventfluide beproben, denn wir wissen, dass nur in diesen die für uns interessanten hohen Methankonzentrationen vorkommen. Um diese besonders heißen Flüssigkeiten zu finden, betreiben wir das ‚Sniffing‘ oder ‚Schnüffeln‘ von sogenannten Smokers oder auch rauchenden Vent-Schornsteinen, aus denen das kochendheiße Wasser aus dem Erdinneren herausströmt. Hierzu halten wir eine Temperatursonde mit dem Arm unseres ROVs MARUM-Quest in die Mündung des Smokers und können dann, durch die Online-Übertragung vom ROV auf das Schiff, sofort erkennen welche Temperatur die Ventfluide haben. (Eine solche Temperaturmessung im heißen Smoker mit bis zu 300°C heißen Flüssigkeiten ist im 3. Videoblog von Dennis Fink zu sehen.) Geeignete Ventfluide beproben wir dann mit besonderen gasdichten Probennehmern, die wir aus dem Woods Hole Ozeanographischen Institut in USA geliehen bekommen haben. Diese verweigern häufiger den Dienst, denn es kann passieren, dass ihr Ventil aus mechanischen Gründen nicht aufgeht, oder dass die Kommunikation zwischen diesen und dem ROV versagt, und wir keine Online-Temperaturwerte bekommen. So gesehen ist es jedes Mal ein halbes Wunder, wenn wir wieder eine vernünftige Probe auf das Schiff bekommen, an der wir dann die Methankonzentration mit Hilfe unseres mitgenommenen Gas-Chromatographen messen können. So ist das eben, wenn man in der Tiefsee arbeitet. Denn jede einzelne Probennahme ist unendlich viel komplizierter als eine vergleichbare Probennahme im flachen Wasser und es kann sehr viel schief gehen. Lohnen tut es sich aber auf jeden Fall, denn die Tiefsee spielt beim globalen Klimawandel eine entscheidende Rolle.

Mit freundlichen Grüßen von Bord der Meteor


Ihre Nicole Dubilier